Fragen und Antworten zu BSE
Was ist BSE?
Die Abkürzung BSE steht für Bovine Spongioforme Enzephalopathie, was sich mit
schwammartige Hirnerkrankung bei Rindern übersetzen läßt. Sie äussert sich anfangs durch Verhaltensstörungen (Agressivität, Torkeln, Einknicken) und führt zum Tod. Die Inkubationszeit kann mehrere Jahre betragen. Bei Jungrindern unter zwei–drei Jahren sind bisher praktisch nie BSE eingetreten. Das Gehirn kranker Tiere sieht unter dem Mikroskop schwammartig aus.
Das Krankheitsbild der Rinderseuche ähnelt dabei Gehirnerkrankungen von anderen Tieren, z.B. Schafen (Traberkrankheit oder Scrapie), aber auch von Menschen (Creutzfeldt-Jakob-Demenz; Kuru, tödliche Schlaflosigkeit).
Wie ist BSE entstanden?
Scrapie wurde bei Schafen bereits vor 200 Jahren beobachtet. Mittlerweile tritt sie fast in allen Ländern – mit Ausnahme von Neuseeland und Australien - auf. Der Erreger wird wohl durch das Fressen von Fruchtwasser und Nachgeburtsteilen weitergegeben. Eine Übertragung auf den Menschen konnte nie beobachtet werden.
Seit Anfang der achtziger Jahre wurde in England – zunächst vereinzelt – eine neue Krankheit bei Rindern entdeckt. 1986 wurde sie vom Central Veterinary Laboratory in Großbritanien als eigenständige Krankheit – BSE – identifiziert. BSE ist offensichtlich verwandt aber nicht identisch und der Scrapie-Erkrankung von Schafen. Es wird vermutet, dass die BSE-Erreger durch die geringen Temperaturen bei der Tiermehl-Herstellung in England unzureichend abgetötet werden. Der umfangreiche Einsatz von Tiermehl in der englischen Rinderfütterung soll dann zu dem starken Anstieg der Erkrankung geführt haben. Es wird auch diskutiert, dass weitere Faktoren wie z.B. der Einsatz von Organo-Phosphaten bei der Dasselfliegenbekämpfung, Spurenelementversorgung u.a. mit für die Entstehung von BSE verantwortlich sein können.
Der experimentelle Nachweis des Ursaches für die BSE-Erkrankungen ist aufwändig und sehr langwierig. Infektionsversuche an Rindern dauern aufgrund der mehrjährigen Inkubationszeiten sehr lange (>7Jahre) und auch der Nachweis im Mäuseversuch dauert 1-2 Jahre.
Ist BSE übertragbar?
Übertragbare Spongioforme Encephalopathien sind beim Menschen schon seit Jahrzehnten bekannt. Neben der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (CJD) zählen die familiär gehäuft auftretenden Erkrankungen Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom und die fatale familiäre Insomnie sowie die Kuru-Kuru-Krankheit dazu.
Eine neue Variante der Erkrankung (vCJD) wird in Zusammenhang mit BSE gebracht. Es gibt deutliche Hinweise, dass diese Variante durch BSE-Erreger ausgelöst sein könnte.
Wie wird BSE übertragen?
Als Hauptübertragungsweg gilt die Verfütterung erkrankter Tiere in Form von Mehl oder Fleisch. BSE ist eine Infektionskrankheit: sie wird durch Erreger übertragen und nicht vererbt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Krankheit auch kurz vor der Geburt vom Muttertier auf das Junge übertragen werden kann.
Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?
Dies ist derzeit noch unklar. Wahrscheinlich muss eine Mindestzahl an Erregern aufgenommen werden, bevor eine Ansteckung erfolgt. Die kritische Menge ist zur Zeit nicht bekannt. Mit den bisherigen Analysenmethoden und bei Infektionsversuchen mit Mäusen konnten in Milch und Muskelfleisch keine Erreger nachgewiesen werden.
Der Verdacht, dass der BSE Erreger auch in den Weideboden eindringen und auf diesem Umweg zu neuen Infektionen führen kann, ist derzeit noch völlig unbewiesen. Es gibt weder Belege noch Nachweismethoden.
Wie sieht der Erreger aus?
Dies ist bis heute noch nicht abschließend geklärt. Es gibt im wesentlichen zwei Übertragungswege durch krankhafte Eiweißkörper – sogenannte Prionen - oder durch eine besondere Form von Viren, Virino genannt. Die Prionentheorie ist derzeit aber äußerst wahrscheinlich. Der Theorie zufolge kommt es zur Deformierung der tausendstel Millimeter großen Prionen (Eiweißmoleküle) im Gehirn, die wiederrum in einer Art Kettenreaktion zur Verformung weiterer benachbarter Eiweißmoleküle führen. Es entstehen Klumpen, die von den Hirnzellen nicht mehr abgebaut werden können. Diese Zellen gehen zugrunde und mit ihnen auch das Tier oder der Mensch.
Welche Rinderteile sind besonders gefährlich?
Als besonders gefährlich gelten derzeit Hirn, Rückenmark, Milz, Bries, Augen, Mandeln und Teile des Darms. In diesen Körperteilen hat man bislang die meisten Erreger gefunden. Seit dem 1. Oktober 2000 dürfen diese Teile nicht mehr in die Nahrungskette gelangen. Das Verbot gilt europaweit und bezieht sich auch auf Futtermittel.
Gibt es Fleischteile, die BSE frei sind?
Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keine Garantie für BSE freies Fleisch. Der Erreger konzentriert sich zwar auf Gehirn und Rückenmark, kann sich aber beim Schlachten verteilen. Durch Sägen und Fleischwerkzeuge könnten Körperflüssigkeiten und infiziertes Gewebe auch auf andere Rinderteile gelangen.
Ist getestetes Rindfleisch garantiert sicher?
Nein. Bisher sind zwei Schnelltests in Deutschland im Zulassungsverfahren. Sie beruhen auf dem Nachweis der veränderten Proteine. Sie reagieren erst positiv, wenn der klinische Ausbruch der Krankheit in den nächsten Monaten zu erwarten ist. Da bei jungen Tieren unter 2 –2,5 Jahren praktisch keine BSE beobachtet wurde, ist der Test nur bei älteren Tieren sinnvoll. Ein negativer Test bedeutet also, dass bei diesem Tier in den nächsten Monaten kein klinischer Ausbruch von BSE zu erwarten ist. Ein negativer Test bedeutet nicht, dass diese Tiere nie BSE-Erreger aufgenommen hat.
Bei jüngeren Tieren spricht der Test nicht an, weil entweder keine Erreger vorhanden sind oder die Erregerkonzentration so gering ist, dass sie im Test nicht erkannt werden.
Über 60 Prozent des in Deutschland produzierten Rindfleisches stammt von Rindern, die jünger als 30 Monate sind.
Ist Bio-Fleisch sicher?
Absolute Sicherheit gibt es nicht. Rindfleisch aus ökologischer Produktion hat den Vorteil, dass hier meist auf zugekaufte Futtermittel verzichtet wird. Daher ist das Risiko relativ gering.
Hilft es dass Fleisch stark zu erhitzen?
Nein, denn BSE wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch krankhaft veränderte Eiweißkörper übertragen. Diese sogenannten Prionen können nur durch sehr große Hitze bei hohem Druck zerstört werden. Braten, Kochen und Einfrieren bietet deshalb keinen Schutz.
Sind auch Milch und Käse betroffen?
Milch und Käse gelten nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand als sicher, da alle Übertragungsversuche mit Milch bislang negativ verliefen. Ausserdem wird Käse heutzutage nicht mehr mit einem Extrakt aus dem Kälbermagen hergestellt, sondern mit industriell hergestelltem Lab, damit gilt auch Käse als unbedenklich.
Darf man Gelatine essen?
Für ca. 90% der in Deutschland hergestellten Gelatine wird Schweineschwarte verwendet. Die Gelatine-Herstellungsverfahren sind äußerst aggressiv (Säure-und teilweise auch Laugenbehandlung, Erhitzung, Trocknung). Dies reicht nach Ansicht von Wissenschaftlern aus, um die Sicherheit auch von Rindergelatine zu gewährleisten. Die Ausgangsmaterialien für die Gelatine-Herstellung dürfen nur von genusstauglichen Tieren stammen.
Bei Milchprodukten wie Joghurt oder Dickmilch ist vor allem, die in der Fruchtzubereitung verwendete Gelatine in der Diskussion. Sie kann aus Rinder- und Schweineknochen hergestellt werden.
Marken-Gummibärchen werden laut Aussage des Herstellers wohl schon seit Jahren nur mit Schweinegelatine hergestellt. Beim Kochen oder Backen kann man als Alternative pflanzliche Verdickungsmittel wie Pektin oder Johannisbrotkernmehl verwenden.
Was gilt für andere Fleischsorten und für Fisch?
Das Fleisch von Schweinen, Geflügel und Fischen galt nach heutigem Wissen als sicher.
Schafe können an der BSE-ähnlichen Seuche Scrapie erkranken. Das Institut für
Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität in Giessen berichtet von Versuchen in denen Schimpansen Scrapie-Erreger gespritzt wurden. Diese zeigten auch nach 26 Jahren keine Symptome. Auch in den 200 Jahren, seit denen Scrapie bekannt ist, ist kein Fall bekannt, bei der Scrapie zur Erkrankung von Menschen geführt hat.
Die Hersteller von Babynahrung verwenden in der Regel Muskelfleisch von jungen, aber ausgewählten Schlachtrindern. Experten stufen Muskelfleisch als unbedenklich ein. Daher ist das Risiko, dass sich Säuglinge durch Babynahrung angesteckt haben als ausserordentlich gering anzusehen.
Auf Konservendosen, Tiefkühl- oder Mikrowellengerichten muss in der Zutatenliste stehen, ob Rindfleisch enthalten ist. Eine Herkunftsangabe muß allerdings nicht erfolgen. In Fertiggerichten kommt vor allem das "mechanically recoverd meat" zum Einsatz eine Masse aus Innereien, Gehirnmasse und minderwertigen Fleischresten. Darauf sollten Sie in jedem Fall verzichten.
Da vor allem das Rinderhirn und die Innereien hohe Konzentrationen von Erregern enthalten, sollte man Wurst, die Hirn bzw. Innereien vom Rind enthält lieber meiden. Achten Sie auf die Zutatenliste, denn hier muß aufgeführt werden, ob bei der Herstellung Rinderbestandteile verwendet wurden.
Rinderhirn ist zum Beispiel in Brägenwurst enthalten.
Innereien vom Rind finden sich aber auch in Leberwurst, Leberkäse, Teewurst, Zwiebelwurst, Grützwurst, Kümmelwurst, Lungenwurst, Fleischwurst etc.
Auch in Geflügel –oder Schweinewurst kann Rindfleisch beigemengt sein. Daher empfiehlt sich in jedem Fall ein Blick auf das Etikett.
Hersteller geben laut Angabe der Verbraucherzentralen an, dass die Rohstoffe für deutsche Produkte ausschließlich aus südamerikanischen Ländern wie Argentinien, Uruguay und Brasilien stammen, in denen bislang noch keine BSE Fälle aufgetreten sind. Fleischlose Alternativen sind: Gemüsebrühen und Hefeextrakte.
Ein gewisses Gefahrenpotential wird derzeit Gelatine-Kapseln, die medizinische Wirkstoffe umhüllen zugesprochen. Da diese wohl tatsächlich aus Rindermaterial produziert werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat aber angeblich schon seit Jahren alle Arzneimittel, die in Deutschland auf dem Markt sind auf Ihre Sicherheit hin überprüft. Wer seine Medikamente für unsicher hält, kann sich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und edizinprodukte unter der Telefonnummer: 030/454830 aufklären lassen.
Richtig ist, dass in vielen Cremes und Lotionen internationaler Hersteller Inhaltsstoffe, wie Collagen, Elastin und vieles andere mehr enthalten sind, die tatsächlich vom Rind stammen. Grundsätzlich ist das Risiko einer Ansteckung bei oberflächlich aufgetragener Kosmetik aber relativ gering, vorausgesetzt die Haut ist unverletzt. Abstand nehmen sollte man allerdings von Anwendungen bei denen Frischzellen oder Collagen unbekannter Herkunft unter die Haut gespritzt wird.
Diese beiden Spezies gelten derzeit als sicher ein Artensprung konnte hier bislang nicht nachgewiesen werden.
Weitere Informationen:
Weiter interessante Informationen zum Thema BSE finden sich im Internet unter:
www.bml.de/verbraucher/bse/fragenantworten.htm
www.bml.de
http://userpage.fu-berlin.de/~dittbern/BSE/BSE_Chronik.html
www.bse.org.uk
Die Landesregierung hat unter der Telefon-Nummer: 0431/1605870 eine BSE-Hotline eingerichtet, die von 8-22 Uhr besetzt ist.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium erreichen Sie unter : 0228/5294453.
Den Bauernverband, Verband Tiernahrung und den Verband der
Landwirtschaftskammern unter: 0228/8198111.
Weitere Fragen können Sie per E-Mail unter dem Stichwort "BSE" richten an: lksh@lksh.de.
Quelle: LWK-SH